am 10.4. endete eine relativ lange Pause astronomischer Beobachtungen...d.h. fehlender astronomischer Beobachtungen. Und wie das so ist nach Wochen den Untätigkeit, nix klappt richtig. Da steht man da und schaut nach oben: was tun?
Diese existenzielle Frage zu beantworten hat schon zu mancherlei Irritationen geführt. Da gibt es z.B. einen, der macht dann im Zweifelsfalle die Hantel..die aber auch nicht am Himmel war. An den Kollegen konnte ich mich also nicht orientieren. Ein anderer Kollege brät horizontdunstgefilterte Wasserstoffphotonen auf seinen Chip, was mir nicht gerade als erstrebenswertes Ziel erschien. Ratlosigkeit machte sich breit, es war Galaxienzeit. Mmmh...Galaxien mit 120mm sind ja schon recht mühselig, aber mit nur 900mm werden die Biester auch relativ klein. Mmmm...Barlow? Eigentlich photographisch ein NoGo. Aber ich habe schon soviel Mist produziert, da kommt es auf ein paar mehr Ausschußbilder auch nicht an. Also Ran an den Speck: M94..eine andere fand ich gerade nicht...mit F15...mehr als nur ein NoGo!
GOTO ist was Feines! Eingenordet, Alignment-Stern anfahren, Sychronisieren und ab aufs Zielobjekt. Das Problem bei einfachen Gleichungen ist, man kann auch einfach Blödsinn machen. Also: Align-Stern anfahren: Mizar im großen Wagen.
Eigentlich keine große Aufgabe, doch am 10.4. scheiterte ich selbst an solch primitiven Herausforderungen. Das Teleskop fuhr irgendwo hin, nur nie auch nur in die Nähe von Mizar. OK! Sommerzeit! Also die Uhrzeit der Steuerung neu einstellen, danach die geographischen Daten, danach Totalreset, danach erst mal ein Bierchen um den Adrenalinspiegel herunterzufahren. Dann das ganze von vorne. Hätte ich dabei Bilder gemacht, hätte ich warscheinlich alles zusammen um ein Nordhemisphärenmosaik erstellen zu können...nur Mizar würde fehlen.
Dann, am Höhepunkt der Verzweifelung, also kurz vor dem Einpacken, lernte ich den 2. Hauptsatz der Mechanik genauer kennen. Ich spreche vom Impulserhaltungssatz. Also wenn dir einer in den Hintern tritt, dann fliegste in die vektorielle Richtung...und schaust blöd. Nun, nach meiner unvorhergesehenen Richtungsänderung schaute ich in ein vorzüglich amusiertes Gesicht und vernahm die Worte: Volldepp...oder so...der Rest ging im Quantenrauschen unter.
Ich hatte das DEC und das RA-Kabel an der Steuerung vertauscht. Mensch, war das peinlich.
Ok, nach fachmännisch ausgeführter Reperatur fluppte das blöde Ding aus Anhieb auf Mizar und dann sogar auf M94. GOTO ist was Feines!
So jetzt aber erst mal das Objekt der Begierde. M94 mit 1.8m, F15, Belichtungszeiten 8*10min.

Warum ich nicht länger drauf gehalten habe wissen nur die Götter. Ich betrachte das einmal als Test, mit wie wenig Photonen meine Kamera auskommt.
Ich will jetzt den Müll nicht schönreden, aber in den Raws sah ich soetwas wie ein Halo um den Galaxienkern, ganz schwan, nur ein Hauch. Den herauszuarbeiten war die Herausforderung, ansonsten wäre das Bild eher etwas für die
Tonne!
Nunja, Gute Nacht
Ulrich